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Bauhütten: Europäische Zusammenarbeit seit dem Mittelalter

Naumburger Dom

Naumburger Dom, © dpa

19.04.2019 - Artikel

Das architektonische Erbe des Mittelalters bedarf steter Pflege und im Katastrophenfall der Wiederherstellung. Seit Jahrhunderten bewahren Bauhütten die notwendigen traditionellen Handwerkstechniken, überliefertes Wissen, Bräuche und Rituale.

Hochmodernes, gelebtes Mittelalter

Bauhütten sind hochmodernes gelebtes Mittelalter. Interdisziplinär arbeiten verschiedene Gewerke gemeinsam auf höchstem Niveau an Bau und Erhaltung alter Gebäude. Unter der Leitung eines Hüttenmeisters oder einer Hüttenmeisterin arbeiten in der Regel Dutzende Fachleute zusammen: Steinmetzen, Bildhauer, Schreiner, Zimmerleute, Gerüstbauer, Dachdecker, Schmiede, Gold- und Silberschmiede, Metallrestauratoren, Elektriker, Restauratoren im Steinfachhandwerk, Glasrestauratoren, Kunstglaser und Glasmaler, Türmer sowie Bauhelfer. Modernste Technik wird genutzt, um das architektonische Erbe zu erhalten. Wichtiger noch sind die alten Handwerkstechniken, die lebendig gehalten werden.

Tradition europäischer Zusammenarbeit

Die großen Baustellen des Mittelalters waren schon damals internationale Technologiezentren für den fachlichen Austausch zwischen Handwerkern und Künstlern. Die mittelalterlichen Bauhütten griffen auf Fachwissen aus ganz Europa zurück. Nur so konnten diese gewaltigen Projekte vollendet werden. Ein Beispiel ist ein Bildhauer: Der Naumburger Meister wurde sehr wahrscheinlich in Nordfrankreich ausgebildet, arbeitete in Noyon, Amiens und Reims, später vielleicht in Metz. Dann lässt er sich in Mainz nachweisen, bevor er im Naumburger Dom, Deutschlands neuestem UNESCO-Welterbe, sein größtes Meisterwerk schuf: den Westchor mit der Stifterfigur der Uta. Auch heute stehen die Bauhütten in Europa in engem Austausch.

Ein schützenswertes immaterielles Kulturerbe

Um diese gelebte Tradition zu bewahren, hat die Bundesregierung im März 2019 gemeinsam mit Frankreich, Norwegen, Österreich und der Schweiz das Bauhüttenwesen für das UNESCO-Register Guter Praxis zum Erhalt Immateriellen Kulturerbes nominiert. 13 Bauhütten aus Deutschland sind dabei: Aachen, Bamberg, Passau, Mainz, Lübeck, Soest, Dresden, Ulm, Köln, Freiburg, Regensburg, Schwäbisch Gmünd und Xanten. Aus den anderen Ländern sind die Bauhütten in Straßburg, Trondheim, Wien und Basel beteiligt.

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