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Rede der Staatsministerin Müntefering zur Übergabe der Welterbe-Urkunde für Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří

13.09.2019 - Rede

Herzlichen Dank zunächst für Ihren musikalischen Beitrag und Ihr Engagement für die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Sie zeigen sehr eindrucksvoll, dass die Bergbautradition in der Region gepflegt und weitergegeben wird.

Mit dem Großen Sächsischen Bergmännischen Zapfenstreich krönen Sie diesen unvergesslichen Tag, und dazu in Begleitung unserer tschechischen Freunde.

Lassen Sie mich gestehen, dass ich mich auch emotional angesprochen fühle. Ende 2018 war ich dabei, als bei einem Festakt in Bottrop ein paar Bergleute dem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das letzte Stück Kohle aus dem Bergbau überreicht haben. Damit ging eine jahrhundertelange Industriegeschichte zu Ende, die eine Region maßgeblich geprägt hat und bis heute prägt.

Doch ich glaube und ich hoffe, dass das nicht das Ende sondern eher der Beginn von etwas Neuem sein wird. Wichtig wird in jedem Falle sein, wie man an diese Geschichte erinnert, wie man die Identität der Region, die durch diese Tradition geprägt wurde, bewahrt.

Deshalb bin ich als ein Kind des Ruhrgebiets auch ein wenig ergriffen von der heutigen Zeremonie. Und ich kann Sie alle sehr dazu beglückwünschen und Sie darin bestärken, diese Tradition zu pflegen.

Die Eintragung der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří am 6. Juli 2019 in Baku/Aserbaidschan als Weltkulturerbe unterstreicht diese besondere Bedeutung als Teil der kulturellen Identität der Region.

Das Welterbekomitee der UNESCO hat den außergewöhnlichen universellen Wert des sächsisch-böhmischen Erzgebirges als Zentrum für technologische und wissenschaftliche Innovationen von der Renaissance bis zur Neuzeit anerkannt.

Damit ist ein wichtiges Ziel erreicht, der Weg aber geht weiter. Nun gilt es, dass Erbe für künftige Generationen zu bewahren. Auf den Punkt gebracht sollte das, was auf vielen Paketen steht, die auf eine lange Reise gehen, als Grundsatz beim Umgang mit dem historischen Erbe im Sinne der Welterbekonvention gelten: „Vorsicht zerbrechlich: Welterbe!“

Sowohl das Welterbe als auch die national oder regional bedeutenden Denkmäler haben wir nämlich nicht von unseren Vorfahren zur freien Verfügung erhalten, sondern nur von künftigen Generationen geliehen bekommen!

Da ich in Sachsen bin möchte ich auch die Verantwortung betonen, die mit der Verleihung dieser Auszeichnung einhergeht. Denn: Das Welterbe ist keine Auszeichnung, die man einfach wieder abgibt wie ein getragenes Sakko, das nicht mehr passt.

Die Weltgemeinschaft, die UNESCO, hat uns allen diese Würdigung als kulturelles Erbe der Menschheit verliehen – diese besondere Auszeichnung wird vielen nicht zuteil.

Ich bin mir allerdings sicher, dass Sie, dass die Region diese Herausforderung meistert. Schon der berühmteste Absolvent der Bergakademie Freiberg, Alexander von Humboldt, dessen 250. Geburtstag wir heute auch feiern, war sich des Wertes und der Unersetzlichkeit unserer kulturellen und natürlichen Ressourcen bewusst. Die Achtung Humboldts vor den Kultur- und Naturschätzen unseres Planeten müssen wir verinnerlichen und in nachhaltiges Handeln umsetzen.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, es ist mir eine große Freude, Ihnen nun im Namen der UNESCO und der Bundesrepublik Deutschland als Vertragsstaat der Welterbekonvention die Urkunde zur Eintragung der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří  in die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt überreichen zu dürfen.

Nun gilt es, diese besondere Kulturlandschaft welterbeverträglich zu entwickeln und an künftige Generationen weiterzugeben. Ich bin mir sicher, dass die Weichen dafür in Sachsen gut gestellt sind. Und gern komme ich auch noch einmal wieder - wie hoffentlich viele Menschen aus der ganzen Welt - gemeinsam überzeugen wir uns dann selbst davon. Und im Ruhrgebiet werde ich von meinem Besuch hier in Erzgebirge berichten; die Gemeinsamkeiten regen Besuch und Austausch an.

Herzlichen Glückwunsch und Glückauf!

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